Schwarzer Humor zu Weihnachten (Friedhof der Wörter)

Geschrieben am 22. Dezember 2013 von Paul-Josef Raue.
Geschrieben am 22. Dezember 2013 von Paul-Josef Raue in Aktuelles, Friedhof der Wörter, I 38 Satire.

Die meisten Leser mögen keine Anglizismen, also weder das Highlight noch das Venture Capital noch den Service Point. Auch Engländer, nur selten des Deutschen kundig, können sich zu Tode erschrecken, wenn sie über ein deutsches Wort stolpern – wie beispielsweise über „Dienstag“.

Das königliche Krankenhaus in der englischen Stadt Sheffield hat offenbar eine sparsame Geschäftsführung: Sie kaufte für die Patientenzimmer Digitaluhren aus Deutschland. Der Dienstag wird darauf DIE abgekürzt – was im Englischen für „to die“ steht, also: sterben.

Ein Patient schaute an einem Dienstag auf die Uhr, erschrak buchstäblich zu Tode, fühlte seine letzte Stunde gekommen und rief gottlob nicht sofort nach einem Priester, sondern zuerst nach seinen Ärzten. Dabei hatte der Kranke nur Rheuma, das zwar schmerzhaft ist, aber nicht zum Tode führt.

Dem Patienten konnten seine Ärzte sofort helfen. Sie stellten einfach die Anzeige der Uhr auf die englische Sprache ein.

In der Weihnachtsausgabe des britischen Ärzte-Journals erzählt die Redaktion die kuriosesten Ärzte-Geschichten des Jahres – mit der „Zunge in der Backe“. Diese englische Redensart ist eine treffende Umschreibung für schwarzen Humor – und für Ironie, die neun von zehn Deutsche nicht verstehen; deshalb sollten Journalisten die Ironie meiden wie der Teufel den Beichtstuhl, vor allem an Weihnachten, wenn selbst ironie-begabte Menschen vor lauter Besinnlichkeit keinen Spaß mehr verstehen, auch nicht in dieser Friedhofs-Kolumne.

Thüringer Allgemeine, 23. Dezember 2013, Kolumne „Friedhof der Wörter“

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